dresden.info:
Dresden als kulturhistorische Perle Deutschlands zieht jährlich viele Besucher aus aller Welt an. Warum?
Steffi Uhlig:
Gäste, die das erste Mal nach Dresden kommen, sind meist sehr positiv überrascht und sagen, dass sie sich Dresden nie so schön vorgestellt haben und wollen auch unbedingt noch mal wiederkommen. Dann gibt es aber auch viele Gäste, die in regelmäßigen Abständen Dresden besuchen, denn in der Stadt tut sich viel. Wenn man bedenkt, dass die gesamte Innenstadt von Dresden in der Nacht vom 13.-14. 2.1945 völlig zerstört wurde und danach die historische Innenstadt wieder mit ihren Renaissance- und Barockgebäuden aufgebaut wurde und auch noch wird, dann ist dies eine wunderbare Leistung all der Bauschaffenden. Im Jahr 2005 stand die Frauenkirche noch einsam auf dem Neumarkt und heute ist ein Platz geschaffen worden, wo man denkt, den gibt es schon seit eh und je.
Oft höre ich von Gästen, Dresden sei besonders sauber, Dresden sei überschaubar, Dresden habe eine wunderbare Atmosphäre, in Dresden sei so viele historische Bausubstanz, Dresden hat kulturell so viel zu bieten, besonders reizvoll sei das Zusammenspiel von Architektur, Kunst und Landschaft. Und dabei gibt es ja nicht nur die historische Innenstadt, sondern bei einer Stadtrundfahrt lernen die Gäste Stadtteile wie Strießen, Blasewitz, Weißer Hirsch, und Neustadt kennen und man hört dann vorn im Bus regelrecht ein Raunen und Staunen, wie schön doch die sanierten Villen und das viele Grün sind.
dresden.info:
Sie haben eine mehrjährige Erfahrung als Gästeführerin in Dresden und Sachsen. Was glauben Sie, was macht eine gute Stadtführung aus?
Steffi Uhlig:
Die Gäste sind oft mehrere Tage in Dresden. Den ersten Eindruck von der Stadt bekommen sie dann bei einem Stadtrundgang, bei dem ich den Gästen viel über die Stadt, ihre Entstehung, Geschichte und ihre Gegenwart erzähle. Dazu gehören Informationen wie z.B. warum der Sandstein so dunkel aussieht, warum der Zwinger Zwinger heißt, die evangelische Frauenkirche der Mutter Gottes geweiht ist und vieles mehr.
Gleichzeitig gebe ich eine Menge an Insidertipps, wo und wann man in der Innenstadt Konzerte, Museen, Theater, Kirchen usw. besuchen kann und natürlich fragen auch viele Gäste nach guten Einkehrmöglichkeiten. Meistens können sich die Gäste nach der Stadtführung gut orientieren und stellen dann fest, dass die eingeplante Zeit für Dresden viel zu kurz ist.
dresden.info:
Sie sind eine gebürtige Dresdnerin. Außer deutsch sprechen Sie noch drei weitere Sprachen. Wo haben Sie das alles gelernt und was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf am Besten?
Steffi Uhlig:
Geboren wurde ich in Dresden, wo ich meine gesamte Kindheit und Schulzeit verbrachte. Nach dem Abitur studierte ich Sprach - und Literaturwissenschaften sowie Pädagogik an der Philosophischen Fakultät der Comenius Universität in Bratislava in der damaligen Tschechoslowakei. Aus diesem Grunde biete ich die Führungen nicht nur in meiner Muttersprache Deutsch, sondern auch in Tschechisch, Slowakisch und Ungarisch an.
Die Tätigkeit als Gästeführerin macht mir viel Spaß und tagtäglich erkunde ich neue Dinge in Dresden. Meist sind die Zusammenhänge hinter unscheinbaren Dingen verborgen und in der gebräuchlichen Literatur oft nicht zu finden. Als lizenzierte Gästeführerin bin ich nun schon einige Jahre mit Touristen unterwegs, welche stets aufs Neue von der Schönheit der Stadt fasziniert sind. So habe ich genug Erfahrungen sammeln können um zu wissen, was Sie als Gast in Dresden besonders interessiert.
dresden.info:
Sie führen täglich mehrere Gruppen durch Dresden und Dresdner Umgebung, und zwar nicht nur Touristen, sondern auch Geschäftsleute, Journalisten, Politiker, sowie Firmen- und Betriebsausflüge, Familien und Schulklassen. Haben Sie unter diesen Zielgruppen Ihre Lieblingskunden?
Steffi Uhlig:
Eigentlich nicht, jede Gruppe ist einzigartig und somit gleicht keine Führung der Anderen. Wichtig sind dafür die ersten Minuten, wo man die Informationen über die Herkunft und die besonderen Interessen der Teilnehmer checkt und dann die Führung ganz individuell gestaltet. Inhaltlich sind sie gleich, aber jeweils von einer anderen Betrachtungsweise. Architekten aus Hamburg erzähle ich natürlich viel eingehender die Baugeschichte der Semperoper, Brandenburgern das Leben unter August dem Starken und dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. sowie deren Söhne, den Münchnern von ihrem Schutzheiligen, dem Heiligen Benno, den Tschechen von den Beziehungen zwischen Sachsen und Prag zur Zeit des Kaisers Rudolf II. und den Österreichern von der pompösen Hochzeit 1719 von Kurprinz Friedrich August II. und der Kaisertochter Maria Josefa.
dresden.info:
Ich kann mir vorstellen, dass es nicht immer ein einfacher Job ist. Z.B. wenn das Wetter nicht mitspielt. Was passiert z.B. wenn's regnet oder schneit, oder eine unerträgliche Hitze ist? Kann man dann die Gäste irgendwie aufmuntern?
Steffi Uhlig:
Auch das bringt die Erfahrung. Im Winter weiß man wo man geschützt an einem windstillen Ort zu erklären beginnt oder dies in öffentliche Gebäude wie das Dresdner Residenzschloss verlegt. Im Sommer wiederum schaut man zuerst wo gerade Schatten ist und bei älteren Herrschaften natürlich wo dazu noch eine Sitzgelegenheit zu finden ist. Typisch dafür ist die Brühlsche Terrasse; im Sommer ideal durch die Nähe des Flusses, im Winter ungünstig, weil es dort besonders kalt und windig ist.
dresden.info:
Gibt es amüsante oder nette Pannen oder Versprecher, die es Ihnen schon mal passierten? Wie sind Sie dann aus der Situation raus manövriert?
Steffi Uhlig:
Sicher gibt es dies, es ist ja alles live. Aber da ich kein starres Programm habe, was ich tagtäglich wiederhole, sondern sehr spontan bin und bei Fragen und Wünschen der Gäste das Programm danach sofort umgestalte, fallen die meist gar nicht ins Gewicht. Durch das viele Sprechen, dazu noch laut und deutlich kommt es dann gegen Abend manchmal zu Verschleißerscheinungen und man fühlt einen Knoten in der Zunge. Gottseidank gibt es gute Logopäden, bei denen man viel über Sprechtechnik lernen kann.
dresden.info:
Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen guten Gästeführer aus?
Steffi Uhlig:
Er muss mit Herz und Seele bei der Sache sein. Als gebürtige Dresdnerin möchte ich die Gäste mit Stadtgeschichte, Architektur, Kunst, Kultur und sächsischer Lebensart, mit den Annehmlichkeiten, aber auch Problemen, Besonderheiten und Einzigartigkeit meiner Heimatstadt bekannt machen, alles verpackt in kurzweilige, kompetente sowie vergnügliche Geschichten und Legenden.
Ich glaube auch, dass eine gelungene Stadtführung davon abhängig ist, ob man sich den Gästeführer auswählen kann, den man auch persönlich sympathisch findet.









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